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IM FOKUS: FEINKOST, NEWS UND TIPPS

Was ist eigentlich ein Gourmet?

Wenn man den allgemeinen Definitionen die wir gesucht haben glauben schenken mag, dann wird als Gourmet im Deutschen ein Feinschmecker bezeichnet, also ein sachkundiger Genießer raffinierter und kunstvoll zubereiteter Speisen und Getränke. Gerne wird er sich im Restaurant mal ein Wein bestellen. Wir finden einfach, dass es richtig lecker sein sollte. Wir wünschen allen Feinschmeckern viel Spass auf diesen Seiten.

Halt für Feinschmecker und Gourmets :-)

Tim Mälzer Ich hab da mal nix vorbereitet

topf_02Diesen Bericht haben wir für SIe auf /www.faz.net. gefunden

Igendwann lag Tim Mälzer am Boden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Einfach zusammengeklappt, der Akku war leer. Aber er stand auf und kochte weiter, ignorierte die Warnung seines Körpers. „Ich wollte das damals so“, sagt er heute und kratzt sich dabei an dem markanten Bärtchen, „ich habe mir das bewusst angetan.“

Mit Volldampf in den nächsten Kollaps. Der ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Einige Minuten später ging gar nichts mehr. Die Kameras hörten auf zu drehen, und der Fernsehkoch kam ins Krankenhaus.

Was er dort erstmals wieder seit langem hatte, war Zeit.

Zeit zum Nachdenken. Über seinen kometenhaften Aufstieg innerhalb weniger Jahre zum wohl populärsten Fernsehkoch Deutschlands. Über sein Image als schnoddriger Küchenbulle, der Kochen zum Medienevent gemacht hat und vielen Kritikern ein Dorn im Auge war, weil er doch handwerkliche Hausmannskost biete, dafür aber wie ein Sternekoch hofiert werde. Über den Anarcho hinterm Herd, der als deutscher Jamie Oliver mit Fernsehshows und Rezeptbüchern ein ganzes Volk auf den Geschmack gebracht hat. Und über den Stress, den er dafür auf sich genommen hat.

Ernsthaft ans Aufhören gedacht

„Eigentlich mag ich mich ja selbst ganz gerne.“ Und deshalb habe er sich gefragt, warum er sich so etwas angetan hat. Warum er sich in den Zusammenbruch reingetrieben hatte. „Damals habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, aufzuhören“, sagt Mälzer heute. Er wirkt ruhig und ernst, wenn er über diese Zeit redet, die gerade mal eineinhalb Jahre zurückliegt. Er habe überlegt, ob er „das ganze Mediale“ einfach seinlasse und wieder in erster Linie das tut, was für einen Koch eigentlich typisch ist: im Lokal für Gäste kochen. So wie früher.

Nach Abitur und Zivildienst hat Mälzer eine Kochlehre in einem großen Hamburger Hotel begonnen. Die Arbeit führt ihn in den neunziger Jahren auch nach London, wo er den damals noch unbekannten Briten Jamie Oliver kennenlernt. Die beiden Jungköche bleiben in Kontakt, auch als Mälzer nach Hamburg zurückkehrt und trotz seiner jungen Jahre als Küchenchef in verschiedenen Restaurants angeheuert wird. So kommt es, dass Oliver seinem Freund während eines späteren Besuchs in London eine Kassette seiner neuen Kochsendung „Naked Chef“ vorspielt. Der Gast ist begeistert. „Das war junges, frisches Kochen, nicht das typische ,Ich hab’ da mal was vorbereitet‘.“ Mälzer nimmt das Band mit und zeigt es Bekannten, die für das deutsche Fernsehen arbeiteten. Sie sollen Oliver nach Deutschland holen, findet Mälzer. Doch das Urteil fällt ernüchternd aus: zu innovativ, für den deutschen Markt einfach nicht zu gebrauchen.

Prominent für 5 Minuten

So verschwindet die Idee wieder in der Schublade, zumal Mälzer im Jahr 2002 mit einem Partner sein erstes eigenes Restaurant eröffnet. Das „weiße Haus“ in Hamburg ist das Einzige, von dem Mälzer heute sagt, auf das er wirklich stolz ist. Er habe „geschuftet bis zum Umfallen“, damit das Projekt ein Erfolg wird – es wird. Mälzer mag es, mit den Kunden über gutes Essen zu diskutieren, ruhig auch mal ein bisschen provokant, aber immer, um neue Denkanstöße zu geben. Einer seiner verbalen Duellanten ist – ohne dass Mälzer dies weiß – der Chefredakteur eines Fachmagazins. Und der bringt den Namen des jungen Hamburgers ins Spiel, als für ein neues Sendeformat auf Vox ein Koch gesucht wird. Nach anfänglichem Zögern willigt Mälzer für zehn Folgen ein. „Ich fühlte mich damals prominenter als heute und dachte, die paar Minuten kann dir keiner mehr nehmen.“

Mälzer hat Talent vor der Kamera, das zeigt sich schnell. Er ist unkompliziert, direkt und frech. Er macht, was ihm gerade einfällt, schließlich hat er ja auch in seinem Restaurant keine richtige Karte. Die Zuschauer nehmen dankend an, nach dem Motto: „Was der kocht, koch ich auch.“ Auch der Sender lässt nichts anbrennen: Aus dem Piloten wird Anfang 2004 eine tägliche halbstündige Sendung.

„Die Sesamstraße war der Ritterschlag“

Seine Popularität wächst nun rasch. „Cool kochen mit Tim Mälzer“ – es scheint, als hätten die Deutschen auf diesen „Hallodri-Koch“ (Mälzer über Mälzer) gewartet. Das obligatorische Kochbuch „Born to cook“ wird mit mehr als einer Million verkaufter Exemplare ein Bestseller. Mälzer scheint omnipräsent, sogar die Sesamstraße („Das war der Ritterschlag“) kommt nicht mehr ohne ihn aus. Mit sechs Kindern zu kochen sei aber das Anstrengendste gewesen, was er je gemacht habe.

Die Zahl der Kochshows zu dieser Zeit schnellt in die Höhe. Mälzers Marktwert ebenfalls. Wenn Johannes B. Kerner im ZDF die Branche hinterm Herd versammelt, steigen am nächsten Tag die Verkaufszahlen. Wobei Mälzer betont, dass er stets drauf geachtet habe, seinen Namen nicht bedingungslos zur Marke zu machen. Wie bitte? Ja, es gebe außer seinen Büchern keine Produkte, die seinen Namenszug tragen. Deshalb ärgere ihn von allen Kritiken eigentlich nur die eine, die ihm unterstellt, er habe alles nur des Geldes wegen getan. Dann, sagt er sichtlich erregt, hätte er einfach drei Jahre lang jedes Angebot angenommen und sich die anschließenden Vorwürfe, er sei käuflich, gelassen als gemachter Mann angehört. Aber er habe vieles abgelehnt, „die dämlichsten Dinger“ seien dabei gewesen. Etwa kochen auf einem Motorblock. Oder die Anfrage, ob man nicht mal was mit einem Maschinengewehr machen könne. Fehlt nur noch das Dschungelcamp.

Viel „Bierchen“ und „Scheiße“

Aber der Krawallbruder will er nicht mehr sein. Jedenfalls nicht nur. Das hat er sich im Krankenhaus vorgenommen. Deshalb kocht er bei Kerner nun auch öfter mal was Vernünftiges. Zu seinem Neustart sollte eigentlich auch eine neue Sendung gehören. „Born to cook“ hieß das abendfüllende Format, in dem zwei Teams vergangenen Sommer gegeneinander ankochten. Doch das Ergebnis war dürr, die Quoten auch, und Vox zog nach sechs Episoden die Reißleine. Zu Recht, sagt Mälzer, die Stimmung im Studio sei zwar prima gewesen, aber das Konzept einfach zu dürftig. Das habe sich während der Dreharbeiten schon abgezeichnet.

Was er aus der Pleite gelernt habe? Nichts. Außer vielleicht, beim nächsten Mal auf sein Bauchgefühl zu hören. Seine Live-Tour durch die großen Hallen, wo er vor mehreren tausend Leuten anrichtet, wird dagegen zum Erfolg. Auch wenn hier und da wieder bemängelt wird, dass sein aktiver Wortschatz vor allem aus „Bierchen“ und „Scheiße“ besteht. Na und?

Für die Zukunft hat er weitere Pläne geschmiedet. Nach seinem Ausstieg aus dem „Weißen Haus“ will er bald wieder ein eigenes Restaurant aufmachen. Natürlich in Hamburg, die Planungen laufen auf Hochtouren. Außerdem soll in absehbarer Zeit ein gemeinsames Programm mit dem Bundesernährungsministerium und Bertelsmann starten. „1000 Küchen“ für deutsche Schulen sind das Ziel. Das Programm soll Kinder an den Umgang mit natürlichen Lebensmitteln heranführen und die Lust am Kochen wecken.

Olivenbäume auf Mallorca

In diesem Fall habe er auch kein Problem, seinen Namen als Türöffner einzusetzen, sagt Mälzer. Das dauernde Klagen über die zunehmende Fettleibigkeit führe doch zu nichts. Stattdessen wolle er ähnlich wie sein Freund Jamie Oliver – und da ist er wieder, der lange Schatten des Briten – versuchen, etwas zu bewegen. Oliver hat unter anderem mit einem Kochprojekt für straffällig gewordene Jugendliche großen Erfolg.

Die Frage, ob da jemand erneut die Agenda überfrachtet und auf die nächste Krise zusteuert, verneint Mälzer postwendend. Er achte extrem darauf, flexibel und ungebunden zu sein. Freiheit heiße für ihn, seine 80 Quadratmeter große Mietwohnung bezahlen zu können. Feste

(Zahlungs-)Verpflichtungen will er sich außer für sein neues Restaurant nicht ans Bein binden: „Ich besitze nix.“ Und für regelmäßige Auszeiten sorgt er gemeinsam mit seiner Freundin Nina. Einige Monate will er nun auf Mallorca leben, wo er – okay, doch ein bisschen Besitz – hundert Olivenbäume sein Eigen nennt. Außerdem will er unbedingt Spanisch lernen, auch wenn ihm Italienisch eigentlich viel mehr liege.

Heute entscheidet Tim Mälzer wieder häufiger selbst, wann er in die Küche geht und wann nicht. Erst seit seinem Kollaps arbeite er auf diese Weise zielgerichtet an der Zukunft, vorher sei doch sehr viel Bauchgefühl im Spiel gewesen. „Meine eigentliche Karriere“, sagt Tim Mälzer und nimmt einen letzten genüsslich-langen Zug aus der Zigarette, „die fängt jetzt erst an.“

 

 
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