Im All wird nur aus Tüten gegessen
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Chefköche sollen langweilige Weltraumnahrung aufregender machen - Ihre Möglichkeiten sind begrenztKöln - "Ich habe Kameraden von mir gesehen, die schwebten in der Schwerelosigkeit ihren Essensbrocken hinterher, als wären sie Haifische auf der Jagd nach Beute." Das berichtete einmal der erfahrene US-Astronaut R. Mike Mullane, der mehrfach mit den Raumtransportern "Discovery" und "Atlantis" im All war.
Tatsächlich ist das Essen auf der Umlaufbahn kein reines Vergnügen -
selbst wenn die haifischartige Nahrungsaufnahme eher die Ausnahme ist.
Das beginnt schon damit, dass jeder Bestandteil einer Mahlzeit erst
einmal an einer Art Minitankstelle "aufgetankt" werden muss. Denn die
meisten Gerichte sind dehydriert: Ihnen wird auf der Erde das Wasser
entzogen, weil sie auf diese Weise viel kompakter werden und weniger
Platz in Anspruch nehmen. Jedes Gericht ist in Plastik verpackt.
Der Astronaut bringt es zur sogenannten "hydration station". Dort
durchsticht eine hohle Nadel das Plastik und schießt wie eine
Wasserpistole Wasser in jene Masse, zu der sich Fleisch, Kartoffeln,
Gemüse, Erdbeeren oder andere Speisen durch den Trocknungsvorgang am
Erdboden jeweils verwandelt haben. Dann muss der Astronaut die so
entstandene Masse noch im Plastikbehälter ordentlich durchkneten.
Danach schiebt er den aufbereiteten Brei nicht etwa in die Mikrowelle.
Das nämlich könnte eine hochbrisante Mahlzeit geben. Denn ein
Mikrowellenherd würde unter Umständen die gesamte Elektronik an Bord
außer Gefecht setzen. So kommt ein kleiner Elektroofen zum Einsatz, der
den Essensbrei im Plastikbehälter mit Heißluft erwärmt.
Danach ist es endlich so weit. Der Astronaut holt die erwärmte Speise
aus dem Ofen und öffnet mit einer Schere die Abdeckung seiner
Plastikpackung. Er muss den Brei nicht zwangsläufig aus der Packung
saugen. Essen mit Messer und Gabel ist im Prinzip möglich - die
soßenklebrige Konsistenz soll dafür sorgen, dass nichts vom Mahl
unkontrolliert entfleucht und in der Ausrüstung an Bord verschwindet.
Der Astronaut lässt sich überraschen, was er bekommt. "Manchmal war
beim besten
Willen nicht mehr zu erkennen, was man da eigentlich essen
sollte", erinnerte sich der belgische Astronaut Frank de Winne auf
einer Pressekonferenz in Köln an seinen Aufenthalt auf der
"Internationalen Raumstation" (ISS), "man musste daher dann erst einmal
auf dem Plastikbehälter nachlesen, was man da so vor sich hatte."
Schon das Prozedere des Aufbereitens zeigt, dass von dem Stimulus, den
eine Mahlzeit am Erdboden normalerweise mit sich bringt, in der
Schwerelosigkeit doch einiges verloren geht. Umso größer sind die
Anstrengungen am Erdboden, dem entgegenzuwirken. So versucht man in
jüngster Zeit, bei der Weltraumkost immer wieder einmal mit dem Einsatz
von Spitzenköchen Highlights zu setzen. Italienische und französische
Asse der Zunft waren bereits am Werke.
Jetzt schreitet auch, wie berichtet, Deutschlands Spitzenkoch zur Tat.
Der Drei-Michelin-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt, Chef der
"Schwarzwaldstube" in Baiersbronn, will die Astronauten mit
Kalbsbäckchen, Gemüse in Balsamico-Sauce mit weißem Bohnenpüree und
Zwetschgenkompott erfreuen. Doch auch sein Meisterwerk muss sich den
Weltraumregeln beugen. Es wird zwar nicht dehydriert im Plastikbehälter
angeliefert, allerdings auch nur in einem Gefäß, in dem Sterneköche
ihre Produkte sonst weniger gern präsentieren: Die deutsche
Spitzenspeise reist in der Konservendose ins All und wird aus ihr
gelöffelt.
Dabei muss auch das "Space-Food" aus dem Schwarzwald den Vorschriften
der Nasa für Weltraumnahrung genau entsprechen. Kaloriengehalt,
Nährwert, Nährstoffe und Keimfreiheit müssen stimmen. Eine besondere
Nährstoffzusammensetzung benötigen Astronauten aber nicht - nur
ausgewogen muss es sein. Ein eher psychologisches als physiologisches
Problem - es gibt ja Vitaminzusätze - ist das Fehlen von frischem Obst.
Nur selten und in kleinen Mengen bringt das die Sojus herauf. Auch
einen Kühlschrank gibt es nicht an Bord. Aber sonst versucht die
US-Luft- und Raumfahrtbehörde alles, um Astronauten eine optimale,
abwechslungsreiche und wohlschmeckende Nahrung zu bieten. Sie unterhält
dazu schon seit Langem ein ganzes Laboratorium, das "Space Food Systems
Laboratory" im Johnson Space Center in Houston.
Gerade in Situationen, in denen man kaum Anregungen von der Außenwelt
bekomme, sei das Essen auch von größter psychologischer Wichtigkeit,
meint die Chefin des Labors, Emilce Vest. "Das Essen gibt uns sowohl
gefühlsmäßig als auch chemisch Anregung. Außerdem schätzen wir auch
sehr, dass die gemeinsamen Mahlzeiten das Zusammengehörigkeitsgefühl
der Mannschaft im Weltraum stärken."
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