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Auf der Wunschliste junger Leute rangierte die Kochlehre bis vor Kurzem unter ferner liefen. Das hat sich geändert. Seit Sterneköche im Fernsehen ihre Kunst als Show inszenieren, ist der Beruf des Kochs für Auszubildende plötzlich attraktiv
Sie braten den edlen Wildlachs mit Bioöl in der blitzenden
Edelstahlpfanne an. Die Jacke aber bleibt blütenweiß. Sie haben
zwischen der Zubereitung von Lammkarre in Kräuterkruste und
Grand-Marnier-Soufflé auf dem Bisquitbett noch Zeit für einen Scherz.
Den Fernsehköchen bei Kerner, Schuhbeck oder Lea Linsters "Kochlust"
macht ihr Job ganz offenbar Spaß. Und das hat Folgen.
Immer mehr junge Menschen wollen Koch werden. "Früher war der Beruf für
viele eine Verlegenheitslösung. Heute kommen diejenigen, die motiviert
sind und den Beruf bewusst wählen", sagt Josef Amann, Leiter der
Berufsausbildung für Köche bei der Industrie- und Handelskammer für
München und Oberbayern.
Es sind junge Leute wie Wolfgang Anderl, 20, die dafür sorgen, dass die
Zahl der Köche in Bayern allein im vergangenen Jahr um sieben Prozent
gestiegen ist. "Ein Bürojob wäre nichts für mich", sagt Anderl. "Hier
kann ich mit den Händen arbeiten." Im dritten Lehrjahr ist der junge
Mann mit seiner Arbeit mehr als zufrieden, auch Freunde und Geschwister
sind begeistert: "Die freut es, wenn ich etwas Gutes kochen kann. Einer
hat mich schon gefragt, wann ich ins Fernsehen komme."
Ausbilder Amann kann seinen Lehrlingen zwar keine Fernsehkarriere
versprechen. Die Aufmerksamkeit und das Ansehen aber, das dem Kochen
durch den Medienrummel zuteil geworden ist, kommen ihm nicht ungelegen.
"Motivierte Lehrlinge schreckt die Küchenrealität weniger ab. Wir haben
eine geringere Abbrecherquote als früher, die Stimmung in den Betrieben
ist besser", sagt Amann.
Eins freilich ist klar: Mit der Berufsrealität am Betriebsherd haben
Kochshows wenig zu tun. Schon der Anfang ist schwer. Selbst die Größten
ihres Fachs haben mit Hilfsarbeiten angefangen. Heinz Winkler,
Sternekoch aus Aschau, zum Beispiel erinnert sich noch genau an seine
ersten Wochen als Gemüseputzer und Kartoffelschäler. "Trotzdem: Man
kann auch dabei sehen, wie motiviert jemand ist", sagt Winkler heute.
Wer die mühsamen Lehrzeiten durchsteht, hat darüber hinaus gute Chancen
auf eine erfolgreiche Karriere.
"Man kann früh Verantwortung übernehmen und bekommt viele Rückmeldungen
für seine Arbeit, das macht den Beruf attraktiv", sagt Josef Reitsam,
Lehrer an der Städtischen Berufsschule für das Hotel-, Gaststätten- und
Braugewerbe in München. Reitsam war in den 80er-Jahren selbst
Küchenchef in Sterne-restaurants und arbeitet jetzt als Lehrer und
Fachbetreuer. "Das Image des Kochs ist durch die Präsenz in den Medien
deutlich verbessert worden", sagt er.
Aber grundsätzlich sei der Kochberuf einer der härtesten der Welt - vor
allem im Sternebereich: "Da gleicht die Küchen-Mannschaft einem
Formel-1-Rennstall-Team" sagt Ausbilder Amann. Und mit Kochkunst allein
ist es nicht getan. Neben der handwerklich-kreativen dürfe man auch die
kalkulatorisch-wirtschaftliche Seite des Berufs nicht unterschätzen.
Allerdings wird der Beruf auch gut gefördert.
Bereits während der Ausbildung können Jungköche mit dem
Leonardo-Programm der EU internationale Erfahrung sammeln. In vielen
Landes- und Bundeswettbewerben schälen sich die Spitzentalente heraus.
Und mit abgeschlossener Ausbildung stehen viele Türen offen, denn die
Ausbildung gilt als vorbildlich: "Deutsche Köche spielen in der
Gastronomie weltweit eine wichtige Rolle", sagt Amann.
Den Imagewandel des Berufs hat auch Steffen Mezger erfahren. "Als ich
meinem Vater erklärt habe, dass ich nach dem Realschulabschluss Koch
werden will, war er nicht einverstanden. Er wollte mich aufs Gymnasium
schicken", erinnert er sich. Heute, 15 Jahre später, hat er seinen
Traumberuf gefunden. Steffen Mezger ist erst 30 Jahre alt und bereits
seit vier Jahren Küchenchef im "Garden Restaurant" im Hotel
"Bayerischen Hof".
"Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und verdiene damit noch Geld.
Das ist fast so, als wenn ich Fußballprofi wäre", sagt Mezger, der Chef
für 16 Kollegen ist. Mit 16 von 20 möglichen Punkten im aktuellen Gault
Millau spielt das "Garden Restaurant" und seine Küchenmannschaft in der
Oberliga der internationalen Kochkunst mit.
Wer so weit kommt, hat eine harte Auswahl hinter sich. "Als Dummchen
wird man hier nix", sagt Mezger. Die Karrierewege sind vielfältig.
Einer seiner Kollegen hat nach ein paar Jahre Universitätsstudium
festgestellt, dass er doch eher ein Handarbeiter ist und lernte Koch.
Abitur haben viele Kollegen, es ist aber nur eine Qualifikation. "Es
muss einem von Anfang an klar sein, dass dieser Beruf richtig viel
Arbeit bedeutet", sagt Mezger.
In einem Spitzenrestaurant steht man zwölf bis 14 Stunden täglich in
der Küche. "Man muss dabei aber auch daran denken, welche Chance man in
einem Top-Restaurant bekommt", sagt der junge Küchenchef. Rohstoffe
höchster Qualität stehen zur Verfügung: "Wir können hier im ,Garden
Restaurant' im ,Bayerischen Hof' bretonischen Steinbutt in die Hand
nehmen und arbeiten mit echten Trüffeln." Das schafft neue Motivation.
Mit den besten Zutaten wolle man selbstverständlich auch bestmöglich
kochen. "Wenn ein Goldschmied das beste Gold und die schönsten
Edelsteine bekommt, will er auch den schönsten Ring draus machen."
Mezger fühlt sich bei seiner Arbeit auch mit der Natur verbunden. "Wir
sind darauf angewiesen, dass die Natur ihre Produkte hergibt." Als er
kürzlich in Frankreich Fisch ordern wollte, ging nichts: "Man hat uns
gesagt, dass wegen des Orkans kein Schiff rausfahre. Also musste ich
etwas anderes kochen."
Eine Art Fanatismus gehört aber auch dazu, um bis in die kleine Riege
der Spitzenköche aufzusteigen: "Andere Jugendliche hatten Poster von
Popstars aufgehängt, bei mir hing Alain Ducasse an der Wand."
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